Inhalte des Kongresses

Inklusion und Sprache





In Kindertagesstätten treffen Kinder aus unterschiedlichen Kulturen und Sprachen aufeinander. In diesem Spannungsfeld bewegt sich inklusive Pädagogik. Zur Kultur inklusiver Bildungseinrichtungen gehört es, Anerkennung und Wertschätzung von Unterschiedlichkeit als etwas Selbstverständliches zu betrachten. Obwohl sich viele Kindergärten und Schulen zu integrativen oder sogar inklusiven Einrichtungen entwickelt haben, sind wir von einer Pädagogik der Vielfalt noch weit entfernt. Das Konzept der Inklusion bedeutet, dass auch Kinder mit Beeinträchtigungen eine angemessene Umgebung vorfinden und Anregungen für einen erfolgreichen Bildungsweg erhalten.
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Für die Verwirklichung der Inklusion braucht es gute Konzepte und eine entsprechende personelle, räumliche und sächliche Ausstattung, sonst besteht die Gefahr, dass das Vorhaben für die betroffenen Kinder und ihre Bezugspersonen nicht gut ausgeht. Inklusion kann dann zur Realität werden, wenn sich viele Menschen, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen engagieren.
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Die umfassende Bedeutung von Inklusion wurde im Rahmen der UNESCO-Weltministerkonferenz im Jahr 2006 formuliert. Auch Deutschland und damit die Länder und Kommunen haben sich verpflichtet, im Sinne einer inklusiven Chancengerechtigkeit die Würde des Kindes in das Zentrum der Politik zu stellen.
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Bildung im Kindergarten und in der Schule muss daher dem Gedanken der Inklusion eine zentrale Bedeutung beimessen. Es gilt eine Haltung zu entwickeln und zu verinnerlichen, die mit einer großen Selbstverständlichkeit akzeptiert, dass wir uns alle voneinander unterscheiden und als Person einmalig auf dieser Welt sind.
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Unterschiede zeigen sich auch in der Sprachentwicklung der Kinder. Diese Tatsache gilt es in einer inklusiven Pädagogik zu berücksichtigen. Beim Wickeln, Anziehen, Essen, Vorlesen, Singen, Spielen und Erzählen zeigen sich oft große Unterschiede in den sprachlichen Aktivitäten der Kinder. Unter den Gesichtspunkten eines inklusiven Bildungsverständnisses heißt das, das einzelne Kind mit seinen sprachlichen Möglichkeiten und Schwächen zu sehen und zu akzeptieren. Wenn ein Kind in diesen Situationen eine wertschätzende Haltung seiner Erzieherin spürt, so trägt dies entscheidend zu einem gelingenden Entwicklungs- und Bildungsverlauf bei. Das setzt ein fundiertes Wissen über den Spracherwerb der Kinder voraus und verlangt von Erzieherinnen und Erziehern eine empathische, wertschätzende Haltung. Neben dem Verstehen der jeweiligen Situation geht es auch um das Erkennen und Beachten der individuellen Spracherwerbstrategien. Das erfordert eine aufmerksame Begleitung und die Beachtung möglichst aller dialogischen Äußerungen. Oft scheitert diese grundlegende Erkenntnis an unzureichenden Rahmenbedingungen. Es mangelt primär nicht am erforderlichen Wissen, sondern an der Möglichkeit, dieses auch in der Realität wirksam werden zu lassen.
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So lautet die Kernaussage einer aktuellen Untersuchung: Bei allem Bemühen könnten die Teams in den Kindertagesstätten eine vollständige Umsetzung der in Orientierungs- und Bildungsplänen formulierten Erwartungen nicht leisten. Es bestehe ein massives Umsetzungsdilemma. Die Forscherinnen geben den warnenden Hinweis: Wenn die Fachkräfte permanent mit der Kluft zwischen Anforderungen und begrenzten Umsetzungsmöglichkeiten konfrontiert würden, könne dies zu hohen körperlichen und psychischen Belastungen führen, eine Ablehnung der Bildungsprogramme könne die Folge sein. Damit wäre dann auch das große Ziel einer inklusiven Bildung auf der Strecke geblieben.
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Inklusion basiert auf einer wertschätzenden Haltung und einem entsprechenden Engagement auf vielen politischen und bildungspolitischen Feldern.
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Der Kongress richtet sich an Erzieherinnen und Erzieher, Kindertagespflegepersonen, Lehrerinnen und Lehrer, Sozialpädagogen, Therapeuten, Kinderärzte, Kommunalpolitiker und an Eltern.

Dr. Karl Gebauer