Die Referentinnen und Referenten

von A bis Z







 


Dr. Andreas Schubiger
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St. Gallen. Rektor, stv. Direktor ZbW – Zentrum für berufliche Weiterbildung. Mitglied des Ostschweizer Kompetenzzentrums für Berufsbildung
www.berufsbildung-ost.ch
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Der weite Weg vom Wissen
zum kompetenten Handeln – Handlungs- und kompetenzorientiertes Lernprozessmodell

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Zuwachs an Kompetenz entwickelt sich nicht zufällig und unabhängig. Die Gleichung „Kompetenz = Wissen x Können x Wollen“ veranschaulicht, dass die Ausbildung der Kompetenz von drei Dimensionen, nämlich dem Wissen, Können und Wollen abhängt. Wissen allein genügt genauso wenig wie das alleinige Wollen, um eine Kompetenz auszubilden. Die Gleichung zeigt, dass die Kompetenz aus dem Produkt aller drei Faktoren entsteht. Fehlt eine Ausprägung, führt dies zur ungenügenden Ausbildung derselben. Wissen kann drei Auswirkungen auf unser Handeln haben. Im positiven Fall steuert und beeinflusst es unser Handeln, ja macht Handeln überhaupt möglich. Im neutralen Sinne beeinflusst neues Wissen unser Handeln nicht, es ist sogenanntes träges Wissen. Es ist wohl in Prüfungen abrufbar, aber hat keinen Einfluss auf die Praxissituation. Im negativen Fall kann das neue Wissen unser Handeln sogar stören oder behindern. Eine langjährige Ausbildung mit entsprechendem Wissenserwerb kann wenig bis keine Auswirkung auf das professionelle Handeln der Ausgebildeten haben. Dieses ernüchternde Bild zeigt sich in diversen empirischen Untersuchungen (Schubiger, 2010). Darin unterscheiden sich 14-jährige Schüler bei der Lösung eines pädagogischen Fallbeispiels weder signifikant von Studenten der Lehrerbildung im 1. Semester oder Prüfungskandidaten noch von Lehrpersonen mit mehrjähriger Erfahrung (Wahl, 2005). Studierende der Wirtschaftswissenschaften schnitten in einer Computersimulation einer Jeansfabrik nicht besser oder gar schlechter ab, als Studierende wirtschaftsfremder Fakultäten. Den Wirtschaftsstudenten gelang es also nicht, ihr umfangreiches ‚Expertenwissen‘ in einer realitätsnahen Simulation wirksam umzusetzen (Gruber, Mandl & Renkl, 2000). Weitere Untersuchungen bei Lehrpersonen zeigen, dass trotz jahrelangen didaktischen Studiums alltägliches Planungshandeln in keiner Weise von didaktischen Prinzipien und Theorien geleitet wurde. Der Planungsprozess war meist routiniert und beschränkte sich im Wesentlichen auf die Stoffaufarbeitung und deren zeitliche Verteilung (Haas, 1998). Selbst wenn problemlösende Veränderungen für die Praxis in Weiterbildungsveranstaltungen erarbeitet wurden, beobachteten andere Untersuchungen eine nur unbedeutende Umsetzung in konkretes Handeln. Anscheinend genügte dafür die alleinige Absicht nicht (Mutzeck, 1988). Selbst in einer Domäne wie der schweizerischen Pflegeausbildung, wo dem Theorie-Praxis-Transfer besondere Beachtung geschenkt wird, stellte man fest, dass nach vierjähriger Ausbildung die erlernten theoretischen Konzepte in der Praxis nicht herangezogen wurden (Schwarz-Goevers, 2005). Allen untersuchten Ausbildungen lag letztlich das alte Wissensmodell des Nürnberger Trichters zugrunde. Sie erzeugten lediglich träges Wissen, welches in der Hoffnung vermittelt wurde, dass daraus eine kompetente Handlung resultiert. Das vom Autor im Buch «Lehren und Lernen» vorgelegte Lernprozessmodell versucht aktuelle Lerngesetze, Kenntnisse über die Entwicklung von Könnerschaft, transferunterstützende Rahmenbedingungen sowie langjährige Erfahrung in einem Planungs- und Reflexionsmodell zu integrieren. «Lehren und Lernen» ist ein praxisorientiertes Methodenhandbuch für Lehr- und Lernprozesse in der beruflichen Grundbildung, höheren Berufsbildung und Erwachsenenbildung. Das Kernstück des Werkes bildet das kompetenzorientierte Lernprozessmodell RITA. Dieses beschreibt das Wesen von Kompetenzen und deren Entwicklung. Eine Methode zeigt ihre Wirkung nur, wenn sie ziel- und lernprozessadäquat eingesetzt wird. «Lehren und Lernen» beschreibt von der Grob- bis zur Feinplanung, wie diese Passung erreicht werden kann. Die umfangreiche Methodensammlung mit differenziertem Lernprozessprofil bietet von A wie Advance Organizer bis Z wie Zuordnungsaufgabe unzählige Möglichkeiten, Lehr- und Lernprozesse zu optimieren.
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Schwerpunkte des Seminars:
Lernen und Kompetenzentwicklung
Entwicklung von Könnerschaft
Warum wir nicht tun was wir wissen
Kompetenzorientiertes Lernprozessmodell
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Samstag, 11.30 Uhr (2.10)
Samstag, 15.00 Uhr (3.11)

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