Die Referentinnen und Referenten

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Dr. Claus Koch
Herausgeber und Autor verschiedener Bücher und wissenschaftlicher Beiträge zu Bildungs- und Erziehungsthemen. Sein neues Buch, herausgegeben mit Sabine Andresen und Julia König „Vulnerable Kinder. Interdisziplinäre Annäherungen“ erscheint 2015. Vorträge und Lehrauftrag an der Universität Bielefeld zum Thema „Bindungstheorie und ihre Bedeutung für Schule und Unterricht“.
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Beziehungskompetenz –
bindungstheoretische Überlegungen zum Umgang mit herausfordernden Schülern im Unterricht


Kinder werden mit sozialen Kompetenzen geboren und haben das Bedürfnis, mit anderen Beziehungen einzugehen, um sich entwickeln zu können. Dabei wollen sie sich wertvoll und anerkannt fühlen. Im Vortrag wird es, auch anhand vieler praktischer Beispiele, darum gehen, welche Lösungen diese bindungstheoretische Sicht für den Umgang mit herausfordernden Schülern in Schule und Unterricht bietet.

Im vorliegenden Vortrag soll es darum gehen, welchen Beitrag die von John Bowlby in den 1960er Jahren begründete Bindungstheorie zur Diskussion um gelingende Schule und gelingenden Unterricht leisten kann. Dass der Bildungserfolg auch von einer gelingenden Bindung zwischen Lehrer und Schüler abhängt, hat bislang, aus unterschiedlichen Gründen, noch kaum Eingang in die Lehrerausbildung gefunden, auch wenn erste Ansätze, die dieser Vortrag einbezieht, vorhanden sind: So meldeten sich unlängst führende Vertreter der Bindungstheorie in Deutschland wie Karl-Heinz Brisch oder K. E.Grossmann und K. Grossmann zum Thema „Bildung braucht Bindung“ bzw. „Bindung und Lernerfolg“ zu Wort, und auch die „dänische“ Gruppe um Helle Jensen und Jesper Juul geht bei ihrer Forderung nach mehr „Beziehungskompetenz“ in der Schule von der Annahme aus, dass gelingender Unterricht in hohem Ausmaß von einer gelingenden Bindung zwischen Lehrer/in und Schüler abhängt.

Konkret geht es in meinem Vortrag um den Umgang mit herausfordernden Schülern im Unterricht und wie dieser aus bindungstheoretischer Perspektive gelingt. Dazu werde ich zunächst einige allgemeine Erkenntnisse aus der bindungstheoretischen Forschung vorstellen, die es ermöglichen, auffälliges Schülerverhalten aus dieser neuen Perspektive zu sehen. Es geht dabei um die Entstehung von Selbstwirksamkeitskonzepten beim Kind ebenso wie um die Folgen von Zurückweisung und Entwertung in der Bindungsgeschichte des Kindes.

Dem folgt die Darstellung, wie Schule und Unterricht einen geradezu idealen Resonanzboden für frühkindliche Bindungserfahrungen darstellen, und was dies für den einzelnen Schüler bedeutet: Wie wirken sich seine Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit auf das pädagogische Geschehen in Schule und Unterricht aus? Ausgangspunkt ist die Annahme, dass das Kind von Geburt an das Bedürfnis hat, sich wertvoll zu fühlen und dass es, wird dieses Bedürfnis zurückgewiesen, besonders bei Kindern mit unsicheren Bindungserfahrungen zum Konflikt kommt.

Zum Schluss werde ich anhand eines Fallbeispiels darstellen, wie es gerade bindungstheoretisch motivierten Interventionen im Unterricht gelingen kann, dem Problem der „auffälligen“ Schüler zu begegnen, die durch ihr „herausfordernden“ Verhalten entweder besonders auf sich aufmerksam machen oder sich aus dem Unterrichtsgeschehen zurückziehen, und welcher Voraussetzungen in der Lehrerausbildung und „vor Ort“ es dazu bedarf. Der Vortrag resultiert aus der Überzeugung, dass wir in der Diskussion um gelingenden Unterricht über Jahre hinweg zu stark auf Bildungs- und Lernerfolg fixiert waren und dabei die Beziehungsebene, auf der die Bildungsprozesse ja stattfinden, vernachlässigt haben.
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Freitag, 17.00 Uhr

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